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Digitaler Produktpass (DPP) in WooCommerce: was ein Shop zeigt

Von Mariusz Szatkowski · Aktualisiert: 2026-11-06

Ein digitaler Produktpass (DPP) ist ein Datensatz zu genau einem Produkt, den die Kundschaft elektronisch über einen Datenträger erreicht, etwa über einen Code oder einen Link. Nach der Verordnung (EU) 2024/1781 über Ökodesign für nachhaltige Produkte (ESPR) braucht ein Produkt nur dann einen Pass, wenn der delegierte Rechtsakt für seine Produktgruppe ihn verlangt. Den Pass selbst liefert der Hersteller oder Einführer. Die Rolle des Onlineshops ist enger: Als Händler stellt er sicher, dass der Pass für Kunden und potenzielle Kunden leicht zugänglich ist, auch im Fernabsatz. WooCommerce hat dafür weder ein Feld noch einen Platz auf der Produktseite. Das kostenlose Plugin Pasporto gibt dem Pass-Link einen festen Platz auf der WooCommerce-Produktseite.

Was ein digitaler Produktpass ist

Die ESPR definiert den digitalen Produktpass in Art. 2 Nr. 28 als produktspezifischen Datensatz, der die im anwendbaren delegierten Rechtsakt festgelegten Informationen enthält und elektronisch über einen Datenträger zugänglich ist. Für einen Shop zählen drei Teile dieser Definition:

  • Produktspezifisch. Ein Pass beschreibt ein Produkt, keine Produktkategorie. Jedes Produkt hat seine eigene Kennung und seinen eigenen Datensatz.
  • Inhalt aus dem delegierten Rechtsakt. Die Verordnung legt nicht fest, was jeder Pass enthält. Welche Daten hineingehören, regeln die delegierten Rechtsakte (Art. 9 Abs. 2 Buchst. a).
  • Zugang über einen Datenträger. Ein Datenträger ist ein linearer Strichcode, ein zweidimensionales Symbol oder ein anderes von einem Gerät lesbares Medium (Art. 2 Nr. 29). Er gehört auf das Produkt, die Verpackung oder die Begleitunterlagen, wie es der delegierte Rechtsakt vorgibt (Art. 10 Abs. 1 Buchst. b).

Diesen Datensatz stellt der Hersteller oder Einführer bereit. Der Shop führt die Kundschaft vor dem Kauf dorthin.

Welche Produkte einen Pass brauchen und ab wann

Nach der ESPR braucht ein Produkt nur dann einen Pass, wenn der delegierte Rechtsakt für seine Produktgruppe ihn verlangt. Art. 9 Abs. 1 sieht vor, dass die Informationsanforderungen Produkte nur dann zum Inverkehrbringen oder zur Inbetriebnahme zulassen, wenn ein digitaler Produktpass gemäß den anwendbaren delegierten Rechtsakten verfügbar ist. Die Verordnung nennt weder Produktgruppen noch Termine. Das regelt jeder delegierte Rechtsakt für seine Gruppe, deshalb steht die Antwort für ein bestimmtes Produkt im delegierten Rechtsakt, der es erfasst.

Für Batterien gilt eine eigene Verordnung mit festem Datum. Die Verordnung (EU) 2023/1542 verlangt in Art. 77 Abs. 1 ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass für drei Batteriearten, die in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden:

  1. Jede LV-Batterie (Batterie für leichte Verkehrsmittel).
  2. Jede Industriebatterie mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh.
  3. Jede Elektrofahrzeugbatterie.

Bei Batterien sorgt der Wirtschaftsteilnehmer, der die Batterie in Verkehr bringt, dafür, dass die Informationen im Batteriepass korrekt, vollständig und aktuell sind (Verordnung (EU) 2023/1542, Art. 77 Abs. 4).

Achtung: Leiten Sie eine Passpflicht nicht allein aus der Produktart ab. Nach der ESPR beginnt die Pflicht mit dem delegierten Rechtsakt für die Produktgruppe. Prüfen Sie diesen Rechtsakt oder fragen Sie Hersteller oder Einführer, bevor Sie die Arbeit planen.

Wer was tut: Hersteller, Einführer und Shop

Die ESPR teilt die Aufgaben zwischen dem Wirtschaftsteilnehmer, der das Produkt in Verkehr bringt, und dem Händler, der es verkauft:

  • Hersteller stellen sicher, dass ein Pass verfügbar ist (Art. 27 Abs. 1 Buchst. c).
  • Einführer stellen sicher, dass ein Pass verfügbar ist (Art. 29 Abs. 2 Buchst. c).
  • Händler stellen sicher, dass die Kundschaft leicht darauf zugreifen kann (Art. 31 Abs. 2). Händler ist auch ein Shop, der im Fernabsatz verkauft (Art. 2 Nr. 55).

Nach Art. 31 Abs. 2 stellen Händler sicher, dass der Pass für Kunden und potenzielle Kunden leicht zugänglich ist, auch im Fernabsatz, wie in den anwendbaren delegierten Rechtsakten festgelegt. Weil ein potenzieller Kunde noch nichts gekauft hat, ist die Produktseite vor der Bestellung der naheliegende Ort für den Pass-Link.

Kennung oder Link bekommt der Shop vom Wirtschaftsteilnehmer, der das Produkt in Verkehr bringt. Art. 10 Abs. 3 ESPR verpflichtet ihn:

  1. Händlern und Anbietern von Online-Marktplätzen eine digitale Kopie des Datenträgers oder die eindeutige Produktkennung bereitzustellen, damit sie diese potenziellen Kunden zugänglich machen können, die keinen physischen Zugang zum Produkt haben (Buchst. a).
  2. Diese digitale Kopie oder einen Link zu einer Webseite kostenlos, umgehend und in jedem Fall binnen fünf Arbeitstagen nach Eingang einer Anfrage bereitzustellen (Buchst. b).

Für einen WooCommerce-Shop ist die Pass-Adresse damit eine Lieferantenangabe, wie eine EAN oder ein Sicherheitsdatenblatt. Fehlt sie, kann der Shop sie anfordern, und die Verordnung setzt für die Antwort fünf Arbeitstage.

Tipp: Nehmen Sie Pass-URL und eindeutige Produktkennung in die Produktdaten auf, die Sie von Lieferanten anfordern, neben GTIN und Konformitätserklärung. Dann kommen neue Produkte gleich vollständig an.

Was eine gute Pass-Anzeige braucht

Eine Pass-Anzeige auf der Produktseite braucht fünf Eigenschaften:

  • Sichtbar vor dem Kauf. Der Link steht auf der Produktseite, wo potenzielle Kunden suchen.
  • Ein Klick zum Pass. Ein klarer Button öffnet den Pass, am besten in einem neuen Tab, damit die Produktseite offen bleibt.
  • Die Kennung daneben. Mit der eindeutigen Produktkennung lässt sich die Seite dem physischen Produkt zuordnen, von der Kundschaft wie von einer Behörde.
  • Korrekt pro Produkt. Jedes Produkt zeigt seine eigene Kennung und seinen eigenen Link, nie einen Wert, der von einem anderen Produkt kopiert wurde.
  • Maschinenlesbar. Dieselben Daten stehen in den Product-Daten, die die Seite bereits ausgibt, sodass Suchmaschinen ein Produkt mit Pass sehen und nicht zwei getrennte Produkte.

Wie Pasporto das umsetzt

Pasporto fügt WooCommerce-Produktseiten einen Abschnitt Digital Product Passport (DPP) hinzu: einen Button, der den Pass des Produkts öffnet, seine eindeutige Produktkennung und die Umweltdaten, die Sie pro Produkt eintragen. Dieselben Daten landen in den Product-Daten, die WooCommerce bereits ausgibt. Es ist ein kostenloses Plugin unter der GPL, ohne PRO-Edition, ohne Konto und ohne externen Dienst. Es setzt WordPress 6.5, PHP 8.1 und WooCommerce 8.0 oder neuer voraus.

Sieben Produktfelder

Pasporto ergänzt den Tab Allgemein des klassischen Produkteditors um sieben Felder, unter der Überschrift “Digital Product Passport (DPP)”. Die Feldnamen stehen hier so, wie das Plugin sie anzeigt:

Feld Was hineingehört
Unique Product ID (UPI / GTIN) GS1 Digital Link, GTIN, EPC oder eine andere Pass-Kennung
Passport URL Die Pass-Adresse vom Hersteller oder Einführer
Primary Material Zum Beispiel “Bio-Baumwolle 80 %, recyceltes Polyester 20 %”
Recycled Content (%) Eine Zahl von 0 bis 100; Werte außerhalb werden begrenzt
Carbon Footprint (kg CO2e) Eine Zahl, 0 oder mehr, pro Stück
Circularity class (manufacturer-declared) Not specified, A, B, C, D oder E, nur wenn der Hersteller eine Klasse angibt
Declaration of Conformity (URL) Ein Link zur EU-Konformitätserklärung

Pasporto berechnet die Kreislaufklasse nicht. Das Feld ist für eine vom Hersteller angegebene Klasse gedacht, und im Shop wird sie als Herstellerangabe gekennzeichnet.

Die Felder des digitalen Produktpasses im Tab Allgemein des WooCommerce-Produkteditors. Die sieben Pass-Felder im Tab Allgemein der Produktdaten.

Was die Kundschaft sieht

Der Pass-Abschnitt erscheint nur bei Produkten mit mindestens einem ausgefüllten Feld. Ein Produkt ohne Pass-Daten bekommt weder Tab noch Abschnitt. Standardmäßig hat der Abschnitt einen eigenen Tab “Digital Product Passport (DPP)” nach den WooCommerce-Tabs. In den Einstellungen verschieben Sie ihn unter die Produktzusammenfassung, direkt über das Warenkorb-Formular.

Der Abschnitt zeigt eine Tabelle mit jedem ausgefüllten Feld und einen Button Open the product passport, wenn eine Pass-URL gesetzt ist. Button und Link zur Konformitätserklärung öffnen sich in einem neuen Tab. Der Abschnitt erscheint nur auf der Einzelproduktseite, nicht in Shop- oder Kategorielisten. Pasporto lädt keine Skripte und stellt keine externen Anfragen.

Der Tab des digitalen Produktpasses auf einer WooCommerce-Produktseite mit Kennung, Materialdaten und dem Button zum Pass. Der Tab Digital Product Passport (DPP) auf einer Produktseite.

Strukturierte Daten ohne zweites Product

Pasporto ergänzt das eigene Product-Markup von WooCommerce über den Filter woocommerce_structured_data_product, statt ein zweites Product auszugeben. Die eindeutige Produktkennung landet in identifier, wenn WooCommerce keine gesetzt hat. Jedes andere ausgefüllte Feld wird als PropertyValue an additionalProperty angehängt: digitalProductPassport, primaryMaterial, recycledContentPercentage, carbonFootprint, circularityClass und declarationOfConformity.

Produkt duplizieren

Ein dupliziertes Produkt behält Material- und Umweltdaten, aber seine eindeutige Produktkennung und Pass-URL werden geleert, weil sie zum Originalprodukt gehören.

Einrichtung

  1. Installieren und aktivieren Sie Pasporto. Der Pass-Abschnitt ist sofort eingeschaltet und nutzt einen eigenen Produkt-Tab; vorher muss nichts gespeichert werden.
  2. Bearbeiten Sie ein Produkt und füllen Sie im Tab Allgemein die Felder Digital Product Passport (DPP) aus.
  3. Optional: Öffnen Sie WooCommerce > Product Passport (DPP), um den Abschnitt unter die Produktzusammenfassung zu verschieben oder ihn auszuschalten. Die Seite steht Benutzern mit der Berechtigung manage_woocommerce zur Verfügung, also auch Shop-Managern.

Wird die Anzeige ausgeschaltet, verschwinden Abschnitt und strukturierte Daten, die Produktfelder bleiben bearbeitbar. Beim Löschen des Plugins werden seine Einstellungen auf jeder Website eines Multisite-Netzwerks entfernt; die Produktdaten bleiben. Alle Einstellungen, Felder und Grenzen beschreibt die Pasporto-Dokumentation.

Die Einstellungsseite von Pasporto in WooCommerce mit dem Anzeigeschalter und der Wahl zwischen Tab und Produktzusammenfassung. Die Einstellungen: Anzeige an oder aus, Tab oder Produktzusammenfassung.

Was Pasporto nicht tut

Pasporto zeigt den Link und die Daten, die Sie eintragen; es ist kein Pass-System. Seine Grenzen:

  • Kein QR-Code und kein anderer Datenträger. Es zeigt einen Link und die Kennung. Der Datenträger gehört auf Produkt, Verpackung oder Unterlagen.
  • Keine Erstellung und kein Hosting von Pässen. Der Pass liegt dort, wo Hersteller oder Einführer ihn veröffentlichen.
  • Keine rechtliche Prüfung. Es prüft Ihre Daten nicht gegen einen delegierten Rechtsakt und entscheidet nicht, ob ein Produkt einen Pass braucht.
  • Keine Felder pro Variante. Ein Datensatz pro Produkt, angezeigt für alle Varianten.
  • Nur der klassische Produkteditor. Der blockbasierte Produkteditor wird nicht unterstützt.
  • Nur die Einzelproduktseite. Der Abschnitt erscheint nicht in Shop- oder Kategorielisten.

Praktische Hinweise

  • Tragen Sie nur ein, was der Lieferant liefert. Material, Rezyklatanteil, CO2-Fußabdruck und Kreislaufklasse sind Herstellerdaten. Ein leeres Feld wird ausgeblendet, ein geschätzter Wert erscheint als Tatsache.
  • Prüfen Sie, ob sich die Pass-URL öffnen lässt.
  • Ergänzen Sie Kennungen nach dem Duplizieren. Pasporto leert sie in der Kopie; tragen Sie vor dem Veröffentlichen die eigene Kennung und Pass-URL der Kopie ein.
  • Denken Sie an Varianten. Brauchen Varianten unterschiedliche Pässe, deckt ein Datensatz auf Produktebene sie nicht ab.
  • Behandeln Sie den Pass als Teil der Produktsicherheitsdaten. Ein Shop, der Hersteller- und Sicherheitsangaben bereits sammelt, wie in GPSR für WooCommerce: Hersteller- und Sicherheitsinformationen beschrieben, kann die Pass-Daten im selben Ablauf mit den Lieferanten anfordern.

Pasporto im Vergleich zu Standard-WooCommerce

Funktion Standard-WooCommerce Pasporto
Feld für die Pass-URL Keins Ja, pro Produkt
Eindeutige Produktkennung für den Pass Keine für den Pass GTIN, GS1 Digital Link, EPC oder andere
Pass-Abschnitt auf der Produktseite Keiner Eigener Tab oder unter der Produktzusammenfassung
Button, der den Pass öffnet Keiner Ja, in einem neuen Tab
Material, Rezyklatanteil, CO2-Fußabdruck Höchstens eigene Attribute Eigene Felder
Strukturierte Daten Product-Markup Dasselbe Product, plus identifier und additionalProperty
Duplikat übernimmt alten Pass-Link n/a Nein, Kennung und URL werden geleert
QR-Code oder Datenträger Keiner Keiner
Kosten Kostenlos Kostenlos, keine PRO-Edition

Kurz gesagt

Ein digitaler Produktpass ist ein produktspezifischer Datensatz, erreichbar über einen Datenträger, definiert in Art. 2 Nr. 28 ESPR. Nach der ESPR braucht ein Produkt nur dann einen Pass, wenn der delegierte Rechtsakt für seine Produktgruppe ihn verlangt; für LV-Batterien, Industriebatterien über 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien verlangt die Verordnung (EU) 2023/1542 ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass. Hersteller und Einführer stellen den Pass bereit, und ein Shop im Fernabsatz sorgt dafür, dass Kunden und potenzielle Kunden leicht darauf zugreifen können. Pasporto gibt diesem Link einen festen Platz auf der WooCommerce-Produktseite, zusammen mit der Kennung, den Umweltdaten des Lieferanten und passenden strukturierten Daten. Den Pass selbst, den Datenträger und die rechtliche Einschätzung übernimmt es nicht.

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